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Weichhautmilben/ pockenmilben und ihre bekämpfung im biologischen hanfanbau
Die Weichhautmilben
Die Familie der Weichhautmilben (Tarsonemidae) besteht aus 45 verschiedenen Gattungen, wobei die Mehrheit unter Ihnen eher in subtropisch- bis tropischen Regionen vor kommen.
Nichts desto Trotz ist die Weichhautmilbe im industriellen Hanfanbau und besonders im Kunstlichtanbau mit Sicherheit der am häufigsten vorkommende Schädling und doch sind Weihhautmilben den meisten Growern noch immer unbekannt.
Zwei der Gattungen, Tarsonemus und Hemitarsonemus, schädigen besonders oft an Indoorhanf und Glashauskulturen im Zierpflanzen- und Gemüsebau. Sie werden in der Fachsprache gemeingültig als Weichhautmilben bezeichnet.
So führen besonders die Symptome eines fortgeschrittenen Weichhautmilbenbefalls an Jungpflanzen und Stecklingen, in Foren und Support Chats immer wieder zu den wildesten, hergeleiteten Theorien und Massnahmeempfehlungen. In den meisten Fällen endet ein fortgeschrittener, nicht richtig bekämpfter, oder unerkannter Weichhautmilben-Befall wenig später auch folglich mit dem Tod der befallenen Pflanze.
Weichhautmilben sind von blossem Auge nicht zu erkennen, da Sie gerade mal ca. 0,15 bis 0,2 mm gross sind und mit Ihrer länglich bis ovalen Form und Ihrer weißlich durchscheinender Körperoberfläche, auch unter dem Mikroskop leicht zu übersehen sind. Sie legen Ihre Eier vermehrt auf der Unterseite der Blätter ab und befallen von da aus besonders die jungen, neuen Triebe der Pflanzen. Die Weichhautmilben fressen sich in die Zellwände der Blätter und Stiele und saugen diese dadurch aus.

Foto: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Schadbild und Erkennung von Weichhautmilben
Während des Fressvorganges werden sogenannte Auxine durch die Milben in die Zellwände abgesondert, die später zu Deformationen und Missbildungen des Pflanzengewebes führen. Auf den befallenen Blättern entstehen im Anfangsstadium vermehrt wahrnehmbare Vertiefungen und Maserungen in der Blattstruktur. Dadurch werden die Befallssymptome bei Stecklingen, fälschlicherweise oft in den Grower-Foren als “komische Deformationserscheinung” oder nicht selten gar als “genetische Mutation” bezeichnet, was natürlich absoluter Unsinn ist.

Die Blätter werden hauptsächlich an den Unterseiten befallen, was beim Weiterwachsen der Blätter zu einem braunen, korkigen Belag auf der Blattunterseite und nach unten einrollenden Blatträndern führen kann. Die Blattadern werden meistens nicht befallen, sie heben sich grün von den befallenen Stellen ab. Bei starkem Befall beginnen sich die Blätter zunehmend zu kräuseln und ziehen sich krallenartig zusammen, wodurch bei fortgeschrittenem Weichhautmilbenbefall die Symptome von Growern auch immer wieder schnell mit einer Überdüngung in Verbindung gebracht werden.

Mit fortgeschrittenem Befall wachsen die Triebspitzen nicht mehr weiter und sterben ab, was zu einer natürlichen Beschneidung der Pflanze führt. Da die Weichhautmilbe in Ihrer Fortbewegung nicht springen kann, wird sie in den meisten Fällen an der Kleidung in die Produktionsanlagen eingeschleppt, wo sie sich bei niedriger Luftfeuchtigkeit nur langsam vermehrt. So treten anfängliche Befallsherde auch nur vereinzelt und lokal an den Pflanzen auf.
Mit dem Einleiten der Blüte und dem gleichzeitigen Beginn der Produktion von Harzen und ätherischen Ölen in der Pflanze, verschwinden die Schädlinge in den meisten Fällen von selbst wieder, da Sie die ätherischen Öle im Cannabis glücklicherweise garnicht mögen. Die bis zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits entstandenen Schäden an der Pflanzen werden sich bis zum Ende nicht wieder regenerieren. Diese befinden sich am Ende des Zyklus aber im unteren Bereich der Pflanze und sind daher für die Blütenproduktion am Ende auch nicht mehr sonderlich relevant.
Somit erklärt sich auch weshalb noch heute den wenigsten Growern die Weichhautmilben bekannt sind, obschon die meisten von Ihnen sich bereits einmal über derartige Symptome im eigenen Garten gewundert hatten. In den meisten Fällen erhält man die Weichhautmilben nämlich bereits mit den Stecklingen geliefert, ohne dass diese dabei direkt zu erkennen sind.
Anders als in der Blütenproduktion wo sich das Milbenproblem meist mit dem Einleiten der Blüte von selbst erledigt, können die Weichhautmilben dem Unerfahrenen Hanfproduzenten besonders in der Mutterpflanzenkultivierung und Jungpflanzenvermehrung grosse Probleme bereiten und immense Schäden verursachen!!!
Entgegen der Spinnmilbe bevorzugt die Weichhautmilbe nämlich ein feuchtes Umfeld mit hoher Luftfeuchtigkeit und vermehrt sich ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65-70% besonders schnell und rasant. Längerfristig wird Sie in solch einem Umfeld früher oder später auch unweigerlich erkannt. Spätestens dann wenn die Pflanzen so aussehen:


Die erfolgreiche Bekämpfung der Weichhautmilbe
Die Weichhautmilbe gehört wie auch die gemeine Spinnmilbe in die Klasse der Spinnentiere und wird daher im konventionellen Anbau linear zur Spinnmilbe mit Akarizid bekämpft. Die meisten, handelsüblichen Akarizide entfalten jedoch keine Wirkung bei Weichhautmilben, sind oftmals synthetisch hergestellt, in jedem Fall aber nachhaltig, giftig für Mensch und Natur, wodurch wir grundsätzlich und mit Nachdruck auch dringend vom Einsatz solcher gesundheitsschädlicher Gifte abraten!
Bei nur leichtem Befall können mit Schmierseife im Verhältnis 1:10 in kaltem Wasser gelöster Spritzbrühe zusammen mit dem Abnehmen der befallenen Blätter, bereits gute erfolge erzielt werden. Auch mit Fegoil (Rapsölbasis) 1ml/Lt Wasser (auf keinen Fall überdosieren!!! Kann überdosiert zu massiven Verbrennungen an der Pflanze führen!!!) Spritzbrühe können kurz bis mittelfristig gute Erfolge erzielt werden.
Langfristig lässt sich die Weichhautmilbe jedoch nach unserem Stand der Kenntnis nur unter Einsatz von Netzschwefel effektiv und nachhaltig, biologisch bekämpfen.
Eine Behandlung sollte in jedem Fall abends vor dem eindunkeln erfolgen. Die Pflanzen dürfen in Anschluss an eine Spritzbehandlung weder zu starkem Lichteinfall, noch all zu starker Hitze ausgesetzt sein!
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Die Birnenpockenmilben
Ein weiterer Schädling welcher ebenfalls oft und weitgehend unerkannt in Indoor-Hanfproduktionsanlagen anzutreffen ist, ist die Birnenpockenmilbe Eriophyes pyri aus der Familie der Gallmilben, welche wie auch die Spinn- und Weichhautmilben ebenfalls zur Art der Spinnentieren gehören.
Mit gerade mal 0,2mm sind auch Pockenmilben mit blosem Auge nicht zu erkennen und können auch mit einer Lupe nur durch Glück oder bei sehr starkem Befall gesehen werden. Um so leichter sind allerdings Ihre Symptome in fortgeschrittenem Stadium ersichtlich.

Wie die Weichhautmilbe verschwindet auch die Birnenpockenmilbe mit dem Einleiten der Blüte in den meisten Fällen von selbst, wodurch auch Sie den wenigsten Growern bekannt ist.
Im Gegensatz zur Weichhautmilbe führen die Saugspuren der Birnenpockenmilbe allerdings nicht zu Vertiefungen innerhalb der Blattstruktur, sondern hinterlassen Pockenartige Wölbungen auf den Blättern, in deren Innern sich die Milben letztlich befinden, welche sich dadurch auch nicht mittels klassischer Kontaktmittel wie Neemazahl oder ähnlichem bekämpfen lassen.
Birnenpockenmilben wirken besonders auch auf den Rand der Blätter, welcher im Laufe der Zeit mehr und mehr deformiert bis hin zu einer zackenlosen Rundung. Die Blätter deformieren unter dem Befall sehr stark und beginnen im weiteren zu verpocken und verkorken, so dass die Blattoberfläche mit der Zeit stark einer Reptilienhaut gleicht.

Die Bekämpfung der Birnenpockenmilben erfolgt sehr effektiv unter Einsatz von Fegoil (Rapsölbasis) 1ml/Lt Wasser (auf keinen Fall überdosieren!!!) Fegoil hinterlässt auf den Pflanzen einen dünnen Ölfilm, welcher oftmals noch nach tagen als Glanz auf den Blättern wahrgenommen werden kann. Dadurch ersticken die Milben in ihren Pocken wobei Fegoil zeitgleich auch sehr effektiv gegen Spinnmilben wirkt.
Weiter lassen sich Birnenpockenmilben in der Mutterpflanzenkultivierung und Jungpflanzenvermehrung am besten und einfachsten mit Netzschwefel bekämpfen, wie auch das Fibl feststellen konnte.
Eine Behandlung muss auch in diesem Fall Abends vor dem eindunkeln erfolgen. Die Pflanzen dürfen in Anschluss an eine Spritzbehandlung weder zu starkem Lichteinfall, noch all zu starker Hitze ausgesetzt sein!

Jungpflanze mit Pockenmilbenbefall

Jungpflanze mit Weichhautmilbenbefall






7 Comments
Iff christian
Hallo
Frage, wie unterscheide ich Trips und Milbenschäden?
Und merci für den spannenden Beitrag!
Admin
Tripse hinterlassen längliche, schnittähnliche Spuren auf den Blättern die nicht selten glänzend wahrgenommen werden können. Im Larvenstadium sind Tripse mit blosem Auge zu erkennen. Baige, weisslich bis leicht gelbe Würmchen, ca. 1mm lang.
Wir werden in Kürze auch die Bekämpfung von Tripsen, Spinnmilben, Schadraupen oder Pilzkrankheiten behandeln und unsere Empfehlungen hier auf https://www.zitronic.ch unter den Blogbeiträgen veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüssen von den BIOnieren
Patrick E.
Ist die Verwendung von Cannacure zur Vorbeugung und oder zur bekämpfung der beiden hilfreich?
Admin
Da können wir leider keine Empfehlung dazu abgeben. Da wir unter Biozertifizierung arbeiten, können wir ausschliesslich Präparate und Zusätze bei der Kultivierung verwenden, welche vom FIBL (Forschungs Institut für biologischen Landbau) zugelassen sind.
Da reicht die Tatsache nicht, dass das Produkt nur aus natürlichen Komponenten hergestellt wurde. Da gäbe es bestimmt noch andere Produkte im Markt deren Verwendung sinnvoll sein könnte, aber so lange sich die Hersteller die Mühe nicht machen ihre Produkte zu zertifizieren, können sie von Betrieben wie der Zitronic Hemplements AG für den Anbau nicht verwendet werden.
Amelie
Danke für die ausführliche und hilfreiche Beschreibung. Woher bekomme ich denn fegoil?
Admin
Seit kurzem wird das PRodukt nur noch unter dem Namen Genolplant vertrieben.
Siehe: https://www.biocontrol.ch/de_bc/schadlingsbekampfung/insektizide-akarizide/genol-plant
babies with tongue tie
The best foods are vegetable soups (no tomatoes, potatoes
or eggplant) with spices, (cardamom, cumin, coriander, fennel, black pepper,
turmeric, etc. The range of medicines for youngsters
also includes medicines and accessories for infants and
toddlers. Some with the other common drinks children consume include juice,
cordials and soft drink.